Vom Arbeitskräfteboom zur Fachkräftefrage
Lünen war einst ein Magnet für Arbeit und Zuwanderung. Mit dem Aufstieg der Montanindustrie wuchs die Stadt rasant. In den 1950er- und 1960er-Jahren kamen Arbeitskräfte aus Südeuropa und der Türkei, um in Zechen, Stahlwerken oder der Eisenhütte Westfalia zu arbeiten. Fachkräfte wurden kaum benötigt – Masse zählte.
Mit dem Strukturwandel änderte sich alles. Der Niedergang von Bergbau und Stahl kostete viele Jobs und machte klar: Die Zukunft gehört Ausbildung, Spezialisierung und Wissen. Heute stehen die Entwicklung und Sicherung von Fachkräften im Fokus – besonders für Branchen wie Recycling, Gesundheit, Technik und Dienstleistungen.

Demografischer Wandel: Lünen wird älter
Lünen hielt seine Bevölkerungszahl lange stabil, doch die Alterung ist unaufhaltsam. Heute ist jeder zehnte Lüner über 75, bis 2030 wird es jeder fünfte sein. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der jungen Erwerbstätigen. Ohne Zuwanderung wäre die Lage kritischer. Migration wirkt stabilisierend – für Wirtschaft und Sozialstruktur
Migration: Vielfalt als Stärke
Bereits in der Nachkriegszeit prägten Zugewanderte aus Italien, Spanien, der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien das Stadtbild. Viele blieben, gründeten Familien – heute ist etwa jeder zehnte Einwohner ausländischer Staatsbürger, noch mehr haben eine Migrationsgeschichte.
Lünen profitiert von dieser Vielfalt: Sie hilft, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das Multikulturelle Forum e. V. in Lünen spielt dabei eine zentrale Rolle. Es begleitet Menschen mit Zuwanderungshintergrund in Arbeit – mit Sprachkursen, Qualifizierung und individueller Beratung. Auch in Bildung und Jugend ist Integration zentral: Sprachförderung, interkulturelle Projekte und Demokratieförderung machen Vielfalt erlebbar. Lünen setzt auf gezielte Maßnahmen – und stärkt so den Zusammenhalt.
Fachkräftemangel: Das neue Nadelöhr
Der Befund ist klar: Zahlreiche Unternehmen in Lünen – vom Handwerk bis zur Klinik – kämpfen mit Fachkräftemangel. Spürbar wird das auch bei der Suche nach qualifizierten Führungskräften. Zusätzlichen Druck erzeugt der bevorstehende Ruhestand der Babyboomer: Ganze Jahrgänge verlassen den Arbeitsmarkt, doch der Nachwuchs bleibt aus. Hinzu kommt: Auch umliegende Städte und ganz Deutschland suchen händeringend nach Fachpersonal. Lünen muss also attraktiv sein, um Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen – sowohl aus den eigenen Reihen als auch durch Zuwanderung.
Deshalb wird früh angesetzt. Projekte wie die „Lüner Nacht der Ausbildung“ oder das Pilotprojekt UFO.Space bringen Jugendliche direkt mit Unternehmen in Kontakt. Die Stadt setzt außerdem auf Familienfreundlichkeit, um Fachkräfte zu halten – mit mehr Kitas und Ganztagsangeboten.


Gesundheit erhalten – Arbeit sichern
Eine alternde Gesellschaft braucht nicht nur Pflege, sondern auch Strategien, um möglichst lange gesund zu bleiben – auch im Sinne der Erwerbsfähigkeit. Initiativen wie der Mobile Gesundheitskiosk, der „Ruhestandskompass“ und die Kooperation zwischen dem Forum Gesundheit und der Wirtschaftsförderung zeigen, wie Lünen darauf reagiert. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, möglichst lange aktiv und arbeitsfähig zu bleiben.
Demokratie leben – Vielfalt stärken
Mit dem Programm „Demokratie leben!“ setzt Lünen gezielt auf Beteiligung, Toleranz und Extremismusprävention. Verwaltung, Zivilgesellschaft und junge Menschen arbeiten gemeinsam an einer offenen Stadtgesellschaft – gegen Ausgrenzung, für Zusammenhalt.
Dabei geht es nicht nur um gesellschaftliches Miteinander, sondern auch um die Zukunftsfähigkeit des Standorts: Fachkräfte lassen sich nur dort gewinnen und halten, wo Vielfalt geschätzt wird und demokratische Werte gelebt werden. Ein respektvolles, inklusives Klima ist somit auch ein Schlüssel, um Unternehmen und Beschäftigte langfristig zu stärken.
Unternehmensnachfolge: Chance für die nächste Generation
Viele Betriebe in Lünen stehen vor einem Generationswechsel. Die Wirtschaftsförderung und die Kammern sensibilisieren Unternehmer für eine rechtzeitige Nachfolgeplanung und bieten Beratung an. Erfolgreiche Übergaben sichern Arbeitsplätze und eröffnen jungen Fachkräften neue Perspektiven – sei es durch Familiennachfolge, interne Lösungen oder externe Übernahmen.
Fazit: Lünen gestaltet den Wandel
Fachkräftemangel, Alterung und Migration prägen Lünens Zukunft. Die Stadt begegnet diesen Herausforderungen aktiv – mit Netzwerken, Projekten und Offenheit. Lünen hat Wandel schon einmal gemeistert. Und ist erneut auf dem Weg, daraus eine Stärke zu machen.
Nachhaltigkeit von Anfang an
Das LünTec bietet mehr als nur Räume. Es ist ein Ort des Lernens und Netzwerkens. Innovationstage, Berufsorientierungsprojekte, Workshops mit Wissenschaft und Wirtschaft sowie regelmäßige Netzwerktreffen bringen Bildung, Unternehmen und Nachwuchs zusammen. Jugendliche lernen Berufe praxisnah kennen, Beschäftigte nutzen Weiterbildungen, Führungskräfte entwickeln Strategien – etwa in Digitalisierung, Recruiting oder Gesundheitsmanagement.
UFO.Space: Nachwuchs neu denken
Ein Highlight ist das Projekt UFO.Space, das 2025 gestartet ist. Hier ersetzen gemeinsame Projekte klassische Bewerbungsgespräche: Jugendliche und Unternehmen programmieren, bauen, gestalten – und lernen sich dabei kennen. So entstehen direkte Kontakte und erste berufliche Perspektiven. Einige Teilnehmende konnten sich bereits Praktika oder Ausbildungsplätze sichern, Unternehmen positionieren sich als attraktive Arbeitgeber. UFO.Space zeigt, wie innovative Formate konkret zur Fachkräftesicherung beitragen. Mehr dazu
Gesundheit als Schlüssel zur Fachkräftesicherung
Mit dem demografischen Wandel rückt die Gesundheit der Mitarbeitenden stärker in den Fokus. Es geht nicht nur darum, neue Fachkräfte zu gewinnen, sondern auch darum, bestehende Teams langfristig leistungsfähig zu halten. Viele Unternehmen im LünTec investieren bereits in betriebliche Gesundheitsförderung – von Stressbewältigung über ergonomische Arbeitsplätze bis hin zu gesunder Ernährung.
Ein Beispiel: Die BROCKHAUS AG kombiniert IT-Expertise mit Engagement für Gesundheit und Vielfalt. Sportangebote, gemeinsame Pausenformate und Diversity-Initiativen zeigen: Wer in Menschen investiert, gewinnt langfristig Fachkräfte.
Auch die Fachtagung zur betrieblichen Gesundheitsfürsorge des Forums Gesundheit – einem weiteren LünTec-Mieter – und der Wirtschaftsförderung Lünen setzt wichtige Impulse. Im September 2025 diskutieren Unternehmen, Krankenkassen und Expert:innen, wie Mitarbeitende besser unterstützt werden können – mit Kursen, flexiblen Arbeitszeiten oder Angeboten zur mentalen Gesundheit. Mehr dazu
Fazit: Vielfalt macht den Unterschied
Das LünTec ist mehr als ein Bürokomplex – es ist ein Motor für Fachkräfteentwicklung. UFO.Space begeistert Jugendliche für Ausbildung, Unternehmen investieren in Weiterbildung und Gesundheit, Veranstaltungen geben Impulse für zukunftsfähige Personalstrategien. Lünen zeigt: Fachkräftesicherung heißt nicht nur rekrutieren – sondern attraktiv bleiben, Gesundheit fördern und Zusammenhalt stärken.
